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Helfen Tabletten gegen das Rauchen?

Tabletten gegen Rauchen können wirken, wobei es unterschiedliche Präparate mit verschieden hoher Effizienz gibt. Sie sollten in der Regel zusätzlich zu einer umfassenderen Therapie angewendet werden. Das Ziel der medikamentösen Therapie ist die Linderung von Entzugserscheinungen.

Wie funktionieren die Medikamente?

Die Tabletten bekämpfen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen die Nikotinsucht. Neben den Nikotinersatzpräparaten gibt es auch verschreibungspflichtige Medikamente.

Aus Sicht des Rauchers kann die Entscheidung über die richtige Raucherentwöhnung mit Tabletten schwer sein, weshalb Fachleute die Beratung durch den Hausarzt oder auch die Telefonberatung des Deutschen Krebsforschungszentrums empfehlen (Sitz Heidelberg, Tel. 06221-424200, Mo – Frei 14.00 – 18.00 h).

Tabletten gegen das Rauchen helfen nur bei den Entzugserscheinungen die bei einem Raucher Entzug auftreten.

Nikotinpräparate, mit denen Menschen mit dem Rauchen aufhören, sind im Grunde auch Medikamente. Bei dieser Nikotinersatztherapie erhält der Körper per Pflaster, Kaugummi oder Lutschtablette noch für einige Zeit das Nikotin, um die Entzugserscheinungen wie Nervosität, Ruhelosigkeit oder depressive Verstimmungen zu dämpfen. Kaugummis und Tabletten wirken sehr schnell und eignen sich für ehemalige Raucher, die in Stresssituationen rituell zur Zigarette greifen.

Das Pflaster wirkt eher gleichmäßig und vermeidet damit zu starke Schwankungen des individuellen Nikotinspiegels. Nikotinkaugummis sollten immer langsam gekaut werden, damit die Mundschleimhaut das Nikotin aufnimmt. Die drei Varianten unterscheiden sich hinsichtlich der Erfolgsquote praktisch nicht. Zu beachten sind Kontraindikationen, bei denen die Nikotinersatztherapie nicht angewendet werden darf. Dazu gehören:

  • Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen (u.a. Herzinfarkt) in den letzten drei Monaten vor der
  • Therapie
  • Schwere Herzrhythmusstörungen
  • Instabile Angina pectoris
  • Akuter Schlaganfall
  • Stark eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion
  • Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre
  • Rauchen aufhören: Medikament Bupropion

Das Medikament: Zyban®

Bupropion ist in Zyban® enthalten, es ist eigentlich ein Antidepressivum. Die Erfolgsrate ähnelt mit diesem Präparat der bei einer Nikotinersatztherapie. Bupropion kann aber teilweise gefährliche Nebenwirkungen und auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zeigen.

Bupropion solltest Du nur einnehmen wenn du dieses mit deinem Hausarzt abgesprochen hast.

Es ist daher rezeptpflichtig. Die Dosierung ist je nach Begleitmedikation zu überwachen und gegebenenfalls anzupassen.

Bekannte Wechselwirkungen können mit Betablockern wie Metoprolol, Herzrhythmusmedikamenten wie Propafenon und Flecainid sowie mit verschiedenen Antipsychotika und Antidepressiva entstehen.

Der Wirkstoff ist ein Amphetamine und hemmt die selektive Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin. Eine Metaanalyse konnte die Wirksamkeit bei 19 % aller Patienten belegen.

Eine Doppelbehandlung mit Bupropion und Nikotinersatzpräparaten erhöht die Erfolgsquote nicht. Die Therapie mit Bupropion schlägt übrigens nur bei den Trägern des Genotyps CYP2B6*6 an, der bei europäischstämmigen Menschen weit verbreitet ist (rund 45 % aller Europäer).

Das Medikament: Champix®

Vareniclin ist in Champix® (in den USA: Chantix) enthalten, einem direkt für die Raucherentwöhnung entwickelten Medikament.

Es setzt an den Nikotinrezeptoren an und soll noch etwas besser als Bupropion wirken, kann aber ebenfalls Nebenwirkungen aufweisen, darunter neuropsychiatrische Symptome.

Eine verstärkte Suizidneigung wird publiziert, gilt aber als umstritten.

Champix wurde speziell für die Raucherentwöhnung entworfen.

Der vergleichsweise neue Wirkstoff konnte mit Stand 2018 noch nicht abschließend beurteilt werden. Auch Vareniclin ist rezeptpflichtig, es setzt an Nikotinrezeptoren des Subtyps α4β2 an.

Dieser Typ ist für die Sucht nach Nikotin verantwortlich. Als Partialagonist stimuliert das Medikament teilweise den Rezeptor und gaukelt dem Gehirn damit eine Nikotinzufuhr vor. Gleichzeitig hemmt Vareniclin den Effekt extern zugefügten Nikotins durch Rauchen. Zusätzliches Rauchen bringt also nichts.

Sind Tabletten gegen Rauchen seriös?

Einige Raucher fragen sich, ob schwarze Schafe gewisse Scheinmedikamente gegen das Rauchen vertreiben. Solche Fälle sind nicht bekannt, allerdings gelten die genannten Medikamente teilweise als gefährlich. Vareniclin beispielsweise hat zum Teil sehr unangenehme Nebenwirkungen:

  • Kopfschmerzen
  • Blähungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schlafstörungen
  • Unangenehme Träume
  • Somnolenz (Benommenheit) und Schwindelgefühle
  • Geschmacksstörungen
  • Depressionen
  • Suizidneigung (nicht ausreichend verifiziert)

Es kann zu unterschiedlichen Nebenwirkungen kommen.

Es wurden zwar einige Suizide von Vareniclin-Patienten dokumentiert, allerdings stellte die US-Zulassungsbehörde FDA hierzu fest, dass 50 % dieser Fälle schon vorher psychiatrisch wegen Depressionen behandelt worden waren. Die FDA schreibt den amerikanischen Vertreibern von Chantix einen auffälligen Warnhinweis auf der Medikamentenpackung vor.

Andererseits hat eine britische Kohortenstudie keinen Unterschied bezüglich der Suizidneigung oder des Auftretens von Depressionen zwischen den Medikamenten Vareniclin und Bupropion sowie Nikotinersatzstoffen festgestellt.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2014 widerspricht sowohl der Suizidgefährdung als auch dem vermehrten Auftreten von Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkten durch die Anwendung von Vareniclin. Dennoch sind Wechselwirkungen mit folgenden Medikamenten zu beachten:

Insulin

  • Theophyllin (gegen Atemprobleme unter anderem bei Asthma bronchiale)
  • Cimetidin (gegen säurebedingte Magenbeschwerden)
  • Warfarin (Blutverdünnung)

Alkohol wirkt bei der Einnahme von Vareniclin gelegentlich stärker. Das kann zu Fällen erhöhter Trunkenheit (bei an sich niedrigem Alkoholspiegel) mit aggressivem Verhalten führen.

Die Publikation solcher Effekte und der Verdacht einer erhöhten Suizidneigung durch Tabletten gegen das Rauchen führten teilweise zur Diskussion, dass diesen Mitteln nicht zu trauen sei und dass es sogar schwarze Schafe unter den Anbietern gäbe.

Lohnen sich die Medikamente?

Ein Rauchstopp lohnt sich immer. Wenn ihn Tabletten gegen das Rauchen nebenwirkungsfrei unterstützen, sind sie zu empfehlen. Die Erfolge nach einem Nikotinentzug sind schnell zu spüren:

  • Ab dem ersten Tag verbessern sich der Geschmacks- und Geruchssinn.
  • Ab dem dritten Tag verbessert sich die Atmung.
  • Ab dem vierten Monat kann die Lunge mit bis zu 30 % mehr Kapazität atmen.
  • Nach einem Jahr sinkt das Risiko für die koronare Herzerkrankung auf die Hälfte.
  • Nach zwei Jahren ist Herzinfarktrisiko kaum noch höher als bei Menschen, die nie geraucht haben.
  • Nach zehn Jahren ist das Lungenkrebsrisiko kaum noch höher als bei Nichtrauchern.
  • Nach 15 Jahren entspricht das Herzinfarktrisiko dem von lebenslänglichen Nichtrauchern.
  • Erfahrungen mit Tabletten gegen das Rauchen

Anwender berichten von Erfolgen mit Tabletten gegen das Rauchen, darunter sehr starke Raucher, die täglich über zwei Schachteln geraucht haben – und das über eine Lebenszeit von 30 bis 50 Jahren. Sie konnten mit Medikamenten aufhören zu rauchen und blieben dann auch dabei. Allerdings zählt auch in diesem Fall – wie bei anderen Therapieansätzen (Hypnose, Akupunktur) – der feste Wille, Nichtraucher zu bleiben.

Tabletten und die Nikotinersatztherapie helfen nach Erfahrungsberichten auch Menschen, die selbst auf eigene Faust aufhören wollten, jedoch unter so starken körperlichen Entzugserscheinungen litten, dass sie wieder anfingen.

Als wirksam werden unter anderem Nikotinpflaster gemeinsam mit einer Verhaltenstherapie beschrieben. Diese Therapie dauert oft ein halbes Jahr, im Extremfall nehmen ehemalige Raucher dauerhaft Nikotinersatzpräparate. In jedem Fall bestätigen ehemalige Raucher, dass sich das Aufhören gelohnt hat.

Es gibt auch Berichte zu so starken Nebenwirkungen von Medikamenten gegen das Rauchen (vor allem Übelkeit), dass die Anwender den Versuch aufgeben mussten. Dann gibt es Berichte von ehemaligen Rauchern, die durch ein Medikament – in diesem Fall das US-Mittel Chantix – zunächst rauchfrei wurden, dann wieder anfingen und schließlich durch eine andere Therapieform zu Nichtrauchern wurden.

Es gibt Krankenkassen, welche die Kosten für Medikamente gegen das Rauchen übernehmen, auch das geht aus den Erfahrungsberichten hervor. Jeder Raucher sollte also seine Kasse diesbezüglich befragen.

In seltenen Fällen berichten ehemalige Raucher, dass sie den Rauchstopp mit Vareniclin schnell geschafft haben, aber sehr viel später Nebenwirkungen – Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen und Depressionen – auftraten, die erst ein Arzt als Spätwirkung von Vareniclin identifizierte.

Fazit: Tabletten gegen Rauchen – ja, aber

Tabletten können beim Rauchstopp helfen, aber auch sehr unangenehme Neben- und Wechselwirkungen aufweisen. Daher müssen sich aufhörwillige Raucher beobachten und darauf gefasst sein, diese Therapievariante wieder abzubrechen. Für diesen Fall brauchen sie einen Plan B.

 

Quellen:

Herzstiftung.de/Rauchen aufhören Medikamente

Wikipedia.org/Bupropion

Wikipedia.org/Vareniclin


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